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St. Urbanus

Der heilige St. Urbanus I. wird in der Regel dargestellt im päpstlichen Ornat und mit Buch, Schwert und Weintrauben in den Händen.

Urbanus I. war Papst von 222 - 230 und gebürtiger Römer. Über sein Pontifikat ist nichts sicheres bekannt, außer, daß er als Märtyrer gestorben ist. Von ihm soll die Verordnung stammen, die heiligen Gefäße nur aus Silber anzufertigen.

Bestattet wurde Urbanus wahrscheinlich im Coemeterium (Friedhof) des Callistus. Sein Kirchenpatrozinium gehört einer späteren Kultschicht an. Urbanuskirchen wurden vielfach gegründet in der Zeit eines Papstes gleichen Namens, besonders Urbanus II. (1088 - 1099) und Urbanus V. (1362 -1370), die dann das Andenken an den heiligen Papst Urbanus I. belebt haben.

In der Volkskunde gilt Urbanus, da der Urbanustag in der Rebenblüte fällt und im
Sachsenspiegel (II 58) als Termin für den verdienten Ertrag des Weinberges erscheint, in Deutschland als Winzerpatron.

Im Mittelalter wurde Mittelpunkt der Urbanusverehrung das Frauenstift Erstein im Elsaß, das seit 849 Reliquien besitzen wollte. Urbanusbild steht häufig in Weinbergen, im Rheingau trugen mancher Orts die "Weinschröter" seine Statue in der Urbanusnacht in einen Weinberg und wurden dann bewirtet. Urbanuskapellen in Norddeutschland erinnern an früheren Weinbau. Urbanus wurde auch angerufen als Schützer der Felder (Oberschlesien), bei Gewitter, gegen Trunkenheit und Gicht (Urbanusplage). Der Urbanustag zog kultisches Brauchtum an sich, zum Teil getragen von Urbanusbruderschaften (Urbanusbrüder) Prozessionen mit der Urbanusstatue durch Rebenhalden, so in Österreich Tirol, Württemberg, Im Rheingau, im Elsaß mit Absingen einer lateinischen Urbanuslitanei; Winzer brennen am Urbanustag Kerzen vor seinem Bild, wallfahren zu Urbanuskapellen und -kirchen (im ausgehenden Mittelalter sogar von Erle nach Rhade).

Profanes Brauchtum fügte sich ein: Lostag fürs Wetter, Kinderfeste
mit Austeilung von "Urbanusbrötle" (Elsaß und Württemberg), Spiele Urbanusminne,
Urbanuspokal der Winzerzunft (in Stuttgart 1661), Urbanusreiten (anfangs kirchliche Prozessionspäter weltlicher Festzug, in Nürnberg bis 1621); dabei begoss man Urbanus mit Wein, bei schlechtem Wetter mit Wasser (eine Art Wettermachen).
Bei gutem Weinjahr stellte man Urbanus gar ins Wirtshaus und trank ihm zu. Solche Mißbräuche wurden von kirchlichen und staatlichen Stellen verboten, in Bayern z. B. 1611.

Quelle: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 10, Ausgabe 1986