Tor zum Münsterland, Brücke ins Ruhrgebiet

Der Dorfkern von Rhade mit der Urbanuskirche in der Mitte

Der Dorfkern von Rhade mit der Urbanuskirche in der Mitte

Die Gallier in Dorstens Norden

Die Sicht der Planer: Das Dorf soll Dorf bleiben, betont Stadtbaurat Holger Lohse im WAZ-Interview. Durch sprunghaftes Wachstum bis zur Jahrtausendwende gelangte der Ort an die Grenze seiner Integrationsfähigkeit

Als „kleines, rebellisches Dorf im Norden“ bezeichnet Bürgermeister Lambert Lütkenhorst gern im Scherz die Rhader. Das Augenfällige am Ort im äußersten Norden: Er ist kein westfälisches „Haufendorf“, sondern hat sich entlang der K13 als langgestrecktes Straßendorf niederrheinischer Prägung entwickelt. Über seine Zukunft sprach die WAZ mit Stadtbaurat Holger Lohse.

Welche Besonderheiten hat Rhade für Sie als Planer?

Holger Lohse: Die Ortsentwicklung ist relativ ungeordnet verlaufen. Das führt zu langen Wegen und relativ viel Verkehr auf der K13, die zudem auch noch Verbindung Richtung Erle ist. Die Sicherheit dort und die Querungsmöglichkeiten – das ist deshalb ein Dauerthema.

Was fällt außerdem auf?

Dass der Dorfkern nicht in der Mitte liegt. Und dass es da noch Höfe gibt, die Rhade einen besonderen Charakter verleihen. Im Rückblick muss man sagen, dass die Ausweisung des jüngsten Baugebietes am Hakenweg/Wulderheideweg nicht immer der planerischen Vernunft gefolgt ist. Aber man hat damals geglaubt, die Dynamik der Siedlungsentwicklung werde weiter anhalten.

Worum geht es künftig?

Um die behutsame Entwicklung nach innen, für die es auf diversen Hofstellen durchaus Möglichkeiten gibt. Dabei den besonderen Charakter zu erhalten, die Qualität gleichzeitig stärker zu entwickeln, das ist die Herausforderung. Nach der sprunghaften Entwicklung in den 1990er-Jahren gab es Warnrufe, die Integrationsfähigkeit des Ortes nicht zu überfordern. Auch deshalb sollten wir Rhade im Bestand entwickeln.

Es geht um die Sicherung der Strukturen?

Ja, wobei ich dort gute Chancen sehe. Mit dem Einkaufszentrum, das vor einigen Jahren gebaut wurde, ist die Nahversorgung gesichert, es gibt die Nähe zur Autobahn und zum ÖPNV. Der Bahnhof ist sicher ein Pfund. Dennoch wird man die Generationsentwicklung in den Siedlungen im Auge behalten müssen. Dort werden viele Menschen gleichzeitig älter – eine rechtzeitige Mischung ist deshalb wichtig.

Und die örtliche Wirtschaft?

Einen zusätzlichen Gewerbestandort haben wir nicht gefunden. Obwohl das Gewerbegebiet an der A31 mittlerweile komplett vermarktet ist, wird das aber kurzfristig auch nicht notwendig sein. Das Areal hinter dem neuen Einkaufszentrum ist als Mischgebiet ausgewiesen, dort gibt es Möglichkeiten für Gewerbe. Viele Betriebe sind außerdem schon seit Langem in die Siedlungsstruktur integriert, ohne dass es dadurch zu Konflikten kommt. Ob eine Entwicklung im Bestand möglich ist, müssen wir abwarten.

Kennen Sie eigentlich den Grenzverlauf zwischen Rhade und Lembeck?

Schwierig. Die politische Grenze ist die A 31, das Gewerbegebiet gehört gefühlt zu Rhade, liegt aber in Lembeck, laut Kataster gehört auch der Stuvenberg zu Lembeck. Die Grenzfrage bleibt sicher ein schönes Gesprächsthema für beide Orte.

Rahmenplan: Präsentation im Sommer

Eine „städtebauliche Rahmenplanung“ ist eine Art Entwicklungskonzept im Kleinen. Rhade bekommt es – als vorläufig einziger Dorstener Ortsteil. Finanziell reicht es derzeit nicht für weitere, auch personell kann das Planungsamt zusätzliche Aufgaben nicht stemmen. „Auf absehbare Zeit“, betont Planungsamtsleiter Marc Lohmann, „sobald wir dazu in der Lage sind, wollen wir das fortsetzen“.

Was ist ein Rahmenplan?

Marc Lohmann: Eine planerische Stufe zwischen dem Flächennutzungsplan, der vor einigen Jahren neu aufgestellt wurde, und Bebauungsplänen für konkrete Vorhaben. Es soll eine Art Entwicklungskonzept für den Stadtteil sein, im dem man zentrale Leitlinien und Prioritäten für die Planung festlegt.

Über die Frage der Bürgerbeteiligung gab’s viel Streit . . .

Aber nur nach außen. Meine Befürchtungen, die inhaltliche Arbeit könnte leiden, haben sich nicht bestätigt. Dabei hat das Parteibuch dann keine Rolle mehr gespielt. Es ist sehr gut gelaufen, es hat sich entkrampft. Die Bürger, die Interesse an einer Beteiligung hatten, sind einvernehmlich zugelassen worden.

Wie geht’s weiter?

Derzeit sind wir in der abschließenden Runde für die Abstimmung, die Präsentation ist für den Sommer geplant. Dann geht’s in die Umsetzung, die dann in Schritten erfolgen soll.

Welche waren die zentralen Themen in der Diskussion?

Die Siedlungsstruktur, die nicht konzentrisch, sondern linear ist, war ein zentrales Thema. Dass sich die künftige Entwicklung mehr auf den Dorfkern konzentrieren soll, das war ein Wunsch der Bürger. Dass sie das individuelle Gepräge erhalten wollen, auch das haben sie uns immer wieder gesagt.