Es muss ein Ereignis gewesen sein, als in Rhade vor hundert Jahren die Feuerwehr gegründet wurde. Der Beschluss darüber war der Amtsverwaltung Wulfen und den Rhader Gemeindeverordneten am 15. März 1912 eine Sondersitzung wert. Nur zwei Tage später – an einem Sonntag -- zeichneten 41 Mann im Wirtshaus Krampe ihren Beitritt. „Auf Ehrenwort, die Staturen gewissenhaft und treu zu befolgen”, zitiert die Chronik, die nun als feine Broschüre zum Jubiläum erschienen ist. So fing es an.
Und es fing klein an. Die Grundausstattung der damaligen Dorffeuerwehr: Eine Handspritze mit Wagen, zwölf Eimer, drei Schläuche (je zehn Meter lang) und eine Laterne. Pfarrer Brockhausen stellte die Scheune des Pastorats an der heutigen Schützenstraße als Gerätehaus zur Verfügung.
Ein erstes vernünftiges Spritzenhaus mit Steigerturm wurde erst 1924 an der Erler Straße gebaut. Dort ist die Feuerwehr noch heute zu Hause. Für Ganoven wurde dort auch eine vergitterte Arrestzelle eingerichtet. Nicht unüblich in früheren Feuerwehrhäusern. Zum neuen Haus gab’s eine neue Löschspritze – auf einer Pferdekutsche montiert. Seit 1937 ist die Rhader Wehr auch Auto-mobil. Aus Wulfen übernahm der Löschzug einen Mannschaftswagen mit dem hübschen Markennamen “Protos” aus englischer Produktion, der bis 1952 rollte. Zum Löschen braucht die Feuerwehr Wasser. Das war in Rhade erst ab 1960 mit dem Bau einer Ringleitung (fast) überall und jederzeit verfügbar. Vorher mussten die Retter aus Sammelbecken, Mühlenteich oder Bächen schöpfen und pumpen.
Die Erweiterung des Gerätehauses 1971 nahmen die Feuerwehrmänner überwörtlich. Ohne Genehmigung bauten sie einen “Geräteraum” an – mit Theke und kleiner Küche. Der illegale Bau wurde von der Bauaufsicht „nachträglich notgedrungen geduldet”, heißt es in der Chronik. Der Kameradschaft zum Nutzen aller hat der Anbau sicher nicht geschadet.
Nie hat die Wehr „nur” ihren Dienst versehen. Sie war in Rhade auch immer Teil des Gemeindelebens. So wurden 1982 beim Fest zum 70-jährigen Bestehen über 10 000 Mark (5000 Euro) für die Lebenshilfe erwirtschaftet. Im gleichen Jahr begannen die Rhader mit Papier- und Altkleidersammlungen für den Lembecker Missionar Josef Höing und seine Arbeit in Kolumbien, die bis heute unterstützt wird.
Ein Löschzug der Feuerwehr kann ohne fremde Hilfe ein Haus bauen, heißt es. Das gilt auch in Rhade. Abriss und Neubau des Gerätehauses ab 2003 und Erweiterung 2008 stemmten die Wehrmänner mit viel Ehrenamt. Nicht zuletzt der Altersabteilung, deren Mitglieder auf der Baustelle auch den einen oder anderen entspannten Feierabend verbracht haben.



